Meisterbonus für alle?

Zum erfolgreichen Handwerks-Dialog trafen sich der Unternehmerverband Handwerk Rheinland-Pfalz e.V. (UVH) mit Vertretern aus Politik in der Lobby der Steinhalle des Landesmuseum in Mainz. Das Handwerk ist das Rückgrat der Wirtschaft in Rheinland-Pfalz, darin bestand Einigkeit zwischen den Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

 

Der Vorsitzende des UVH Stefan Zock eröffnete den Abend und begrüßte die zahlreichen Gäste. Unter ihnen Landtagspräsident Hendrik Hering, die stellvertretende Landtagspräsidentin Astrid Schmitt, sowie die Staatssekretäre Philipp Fernis (Justizministerium) und Daniela Schmitt (Wirtschaftsministerium). Die Fraktionen vertraten neben zahlreichen Landtagsabgeordneten die Fraktionsvorsitzenden von SPD und FDP, Alexander Schweitzer und Cornelia Willius-Senzer.

 

Zock nahm die Politik der unterschiedlichen Ebenen in den Blick. Die neue Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union, der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung oder der Meisterbonus in Rheinland-Pfalz. Diesen begrüßt das Handwerk. Doch sieht es die „Begrenzung auf diejenigen, die ihre Prüfungen auch vor einer rheinland-pfälzischen Kammer ablegen, sehr kritisch“, so Zock. Er fordert deshalb eine bundeseinheitliche Lösung. Die Entlastung aller Meisterschüler von Lehrgangsgebühren sei dringend geboten, „um dem sich aktuell entwickelnden förderungspolitischen ‚Flickenteppich‘ mit seinen wettbewerbsverzerrenden Auswirkungen entgegenzuwirken“. Darüber hinaus wäre dies ein Schritt in die Richtung der Gleichbehandlung von beruflicher und akademischer Bildung, die sich auch in der Novellierung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes zeigt.

 

Landtagspräsident Hendrik Hering hob die gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks hervor: „Gute Handwerksleistung ist nachhaltig werthaltig“. Das Handwerk sei nicht nur das Rückgrat der Wirtschaft in Rheinland-Pfalz, sondern auch das Rückgrat einer freien, offenen und demokratischen Gesellschaft, so Hering. „Das was unsere Wirtschaft prägt und ausmacht – nämlich mittelständig organisiert zu sein – wird sie auch nachhaltig erfolgreich machen“. Der Mittelstand stabilisiert die Gesellschaft und Betriebe haben drei Kennzeichen, die sie dafür auszeichnen: der unmittelbare und direkte Bezug zu ihren Mitarbeitern, sie investieren in langfristige Konzepte und haben ein hohes Maß an Engagement für die Gesellschaft.

Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Daniela Schmitt ging in ihrer Rede auf die Bedeutung des Handwerks ein. Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz sei weiter auf Erfolgskurs, die Konjunktur laufe auf Hochtouren, die Investitionsleistungen und die Auslastungsquote seien auf einem hohen Niveau. Eine Herausforderung sei der Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Das Ministerium hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Handwerk als mögliche und gute Ausbildungsmöglichkeit zu bewerben. So fördert es zum Beispiel Feriencamps für Schüler, in denen die meisten Plätze durch das Handwerk angeboten werden, Coachs für berufliche Bildung oder den Meisterbonus. Schmitt sprach ein klares Bekenntnis zur dualen Berufsausbildung aus.

 

Sie rückte ebenfalls Zukunftsthemen in den Fokus. Durch die Digitalisierung können neue Marktpotenziale entstehen. Betriebe müssen hier ihre Position am Markt hinterfragen, denn die digitale Revolution führe zu einem Wandel der Geschäfts- und Produktionsprozesse für Betriebe. Hierfür können Betriebe Digitalisierungsberater der Handwerkskammern in Anspruch nehmen.

Namhafte Persönlichkeiten vertraten das Handwerk. Neben vielen Präsidenten, Kreishandwerksmeistern, Obermeistern, Hauptgeschäftsführern und Geschäftsführern begrüßte Zock die Präsidentin der Handwerkskammer der Pfalz, Brigitte Mannert, den Präsidenten der Handwerkskammer Rheinhessen, Hans-Jörg Friese und den Präsidenten der Handwerkskammer Trier, Rudi Müller, sowie die Hauptgeschäftsführerin Pia Obermann der Handwerkskammer Rheinhessen. Das benachbarte „Ausland“ repräsentierte der Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände des hessischen Handwerks, Rainer von Borstel.

 

Im Anschluss an das offizielle Programm ergaben sich im zwanglosen Rahmen bei Speis und Trank viele Gelegenheiten zum persönlichen Meinungsaustausch zwischen den Vertretern des Handwerks und den Vertretern der Politik. Hermann Hubing, Geschäftsführer des UVH, war mit dem Verlauf des Abends zufrieden: „Ich freue mich über den konstruktiven Dialog zwischen den Vertretern des Handwerks und den politischen Entscheidungsträgern. Abende wie dieser befördern diesen wichtigen Austausch.“ Der Parlamentarische Empfang solle daher auch weiterhin ein fester Termin in der Jahresplanung des UVH RLP bleiben.